Traditionelle Färbetechnik: Tegaki Yuzen

Traditionelle Färbetechnik: Tegaki Yuzen

Dienstag, der 28. Mai 2019 4 Von Lena Fritzsche

Tegaki yuzen kyoto kimono traditional

Während der Design Week Kyoto habe ich das Traditionsunternehmen Tomihiro Senko besucht. Hier werden Seidenstoffe für die Marke RITOFU komplett händisch und auf traditionelle Weise gefärbt. Diese Technik nennt man Tegaki Yuzen. Je nach Region gibt es verschiedene Verfahren für diese Technik (ebenfalls verschiedene Stile, Motive und Muster). Ich stelle euch hier Kyo Yuzen (Yuzen aus Kyoto) vor, wie es von Tomihiro praktiziert wird:

Tegaki Yuzen

Der ganze Prozess wird nicht nur von einem, sondern von insgesamt 14-15 Kunsthandwerkern, die Spezialisten auf ihrem jeweiligen Gebiet sind, ausgeführt: von der Entwurfsplanung, über Handskizze, Leim auftragen, Yuzen-Färbung, bis zur Fertigstellung.


Quelle: http://www.tomihiro-kyoto.com/jp/howToMade/index.html

1. Zuallererst wird die Stoffbahn in zehn Teile geschnitten und vorübergehend zu einem Kimono zusammengenäht, damit das Muster an den Nähten keine unschönen Unterbrechungen bekommt. Dann wird das Design auf den Stoff übertragen. Dafür legt man die Zeichnung auf eine Glasplatte, die von unten mit Licht beschienen wird, und darüber den Stoff. So kann man das Muster hindurch sehen und nachzeichnen. Hierfür werden Schreibpinsel und Tusche, die aus Dreimasterblumen hergestellt wird, verwendet. Diese Technik nennt man Sashi Yuzen. Diese Tusche ist später einfach mit Wasser auswaschbar.


Quelle: http://www.tomihiro-kyoto.com/jp/howToMade/index.html

2. Der Kimono wird wieder aufgetrennt und die einzelnen Stoffbahnen aufgespannt. Mit einer Paste aus Harzkleber und Goldstaub namens Itome Nori (Itome = dünner Faden; Nori = Klebstoff), die in ein kleines Spritztütchen mit dünner Spitze gefüllt ist, zeichnet der Kunsthandwerker alle Linien nach. Diese dünnen Linien sehen nicht nur schön aus, sondern grenzen auch die Farbflächen von einander ab, damit die Farben nicht ineinander laufen. Nachdem der Kleber getrocknet ist, wird die blaue Farbe ausgewaschen.


3. Danach wird der komplette Stoff mit Gojiru eingestrichen. Das ist ein Saft aus Sojabohnen, der hergestellt wird, indem man Sojabohnen quellen lässt, zerstampft, mit Wasser verdünnt und filtert. Den Stoff lässt man anschließend über Nacht trocknen. Diese Prozedur namens Jiire bewirkt, dass der Kleber fest im Gewebe haften bleibt. Außerdem lassen sich so auch später die Pigmente gleichmäßiger verteilen.


4. Jetzt geht es endlich ans Färben. Hierfür werden Pinsel verwendet, die mehr Farbe als Schreibpinsel aufnehmen können. So kann das Gewebe mehr Pigmente aufnehmen und die Farbe gewinnt an Tiefe. Je nach Größe der Farbfläche werden breitere und schmalere Pinsel benutzt.


Quelle: http://www.tomihiro-kyoto.com/jp/howToMade/index.html

5. Nach dem Färben wird der Stoff bei 80-90°C gedämpft, um die Pigmente im Gewebe zu verfestigen und die Farbintensität zu erhöhen. Anschließend werden alle überschüssen Pigmente und Klebstoffreste ausgewaschen. Bis etwa 1965 hat man das in Flüssen und Bächen getan, aber heutzutage macht man das eher in Wasserbecken. Man sagt, Kyotos Grundwasser sei äußerst gut dazu geeignet, gefärbte Stoffbahnen zu waschen.


6. Nachdem der Stoff noch einmal gedehnt wurde, damit er nicht schrumpft und steif wird, kann Blattgold und -silber, sowie Stickereien hinzugefügt werden. Kyo Yuzen ist besonders bekannt für seine üppigen Muster.