Kokeshi und Koma

Kokeshi und Koma

Mittwoch, der 23. Januar 2019 0 Von Lena Fritzsche

Im Kogei no Sato (Dorf der traditionellen Handwerkskünste) in Akiu, Sendai, kann man in neun Werkstätten alte japanische Kunsthandwerkstechniken kennenlernen und erleben. Zusammen mit einem japanischen Freund habe ich habe zwei Werkstätten besucht: eine für Kokeshi (japanische Holzpuppen) und eine für Koma (Holzkreisel).


Kokeshi

Kokeshi Koma Kreisel Akiu Sendai bemalen Shokunin

In der Nacht vor unserem Ausflug wollte ich schon mal bisschen üben und ein Aussehen für die Kokeshi entwickeln, um am nächsten Tag nicht ganz planlos und unvorbereitet an die Sache heranzugehen. (Nötig ist das nicht unbedingt, man kann sich auch in der Werkstatt von den vielen vorhandenen Puppen inspirieren lassen und einfach ausprobieren.) Es ist aber doch noch mal etwas anderes, ob man mit Acrylfarben auf Papier oder mit Lack auf Holz malt. Und so sah die Kokeshi am Ende auch ziemlich anders aus.

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Wir gingen zum Ganguan-Kokeshi-Laden, in dem Kokeshi-Puppen aus Holz des Pagoden-Hartriegel-Baumes gedrechselt und anschließend mit schwarzer und roter Farbe (nicht mit Grün wie auf meiner Zeichnung) angemalt werden. Diese Kokeshi nennt man Enakichi Kokeshi, Kokeshi im Sakunami-Stil (Sakunami = ein Gebiet in Sendai). Der Shokunin (Meister) dieser Werkstatt ist Akira Suzuki. Er entschied sich dazu, traditionelle Designs mit dem neuen Konzept von Kawaii (niedlich) zu kombinieren.

Nach einer kurzen Einführung haben wir angefangen unsere eigene aus unbehandeltem Holz gefertigte Kokeshi zu bemalen. Ich hätte mir gewünscht, ein wenig Papier oder ein Probeholzstück zur Verfügung gestellt zu bekommen, um mich mit dem Pinsel und der Farbe vertraut zu machen. Wir konnten zumindest ein paar Zettel in unseren Taschen finden, auf denen wir üben konnten. Generell ist die schwarze Farbe (ein bestimmter Lack oder Holzbeize – ich weiß nicht, was genau es ist) einfacher zu händeln als die rote, bei der die Farbe öfter breitläuft und ausblutet. Man kann es aber auch nicht wirklich vorhersagen, wie sich die Farbe verhalten wird – das hängt stark vom Holz ab, das als Naturprodukt an jeder Stelle ein bisschen anders beschaffen ist. Je flüssiger die Farbe und je mehr Farbe im Pinsel ist, desto höher ist wahrscheinlich das Risiko, dass es unsaubere Stellen gibt (musste ich später auch bei dem Holzkreisel feststellen).
Eigentlich wollte ich, wie auf der Zeichnung zu sehen, gern Streifen auf meine Kokeshi malen, aber das sei dem Shokunin vorbehalten, sagte man uns.

Beim Malen habe ich die Kokeshi in der linken hand gehalten und meine rechte, Pinsel führende Hand darauf abgestützt. Diese Position schafft einen guten Halt und eine ruhige Hand, was besonders nützlich ist, wenn man Details malen möchte. Für dynamischere Formen und Linien ist es jedoch empfehlenswert, die Hand nicht abzustützen und den Pinsel ein Stückchen weiter hinten anzufassen.

Am Schluss wurde die Holzfigur noch mit einem Schutzlack überzogen.


Koma

Anschließend besuchten wir den Onkomaya-Hiroi-Laden, in dem man viele unterschiedliche Arten von Holzkreiseln findet – bei manchen würde man auf den ersten Blick gar nicht erwarten, dass es sich um Kreisel handelt.
Dieses einfache Spielzeug hat in Japan eine lange Tradition und war besonders in der Edo-Zeit äußerst beliebt. Der Edo Koma entwickelte sich im 18. Jahrhundert, als aus dem Kyokugoma, mit dem Kunststücke vorgeführt werden können, der Zashiki Koma für jedermann entstand.

Michiaki Hiroi, der den Laden immer noch mit seinen Lehrlingen betreibt, ist bereits 86 Jahre alt (1933 geboren). Er kommt aus einer Koma-Handwerksfamilie und führt diese heute seltene Tradition mit seinem Bruder, der in Yokohama lebt, fort.

Der Shokunin hat uns gezeigt, wie er einen Kreisel drechselt und ich durfte ihn anschließend polieren und bemalen. Dabei habe ich einige Fehler gemacht, die eventuell hätten vermieden werden können, wenn er mir vorher ein paar Ratschläge dazu gegeben hätte. Und zwar dreht sich der Kreisel währenddessen die ganze Zeit, sodass die Linien immer schön sauber und ordentlich aussehen. Darum habe ich nicht gemerkt, dass die Farben stark ausbluteten. Ein bisschen habe ich mich gewundert, dass der rote Streifen immer breiter wurde. Da ich schöne Ränder haben wollte, habe ich die anscheinend breitgelaufenen Sreifen noch einmal nachgezogen, was völlig kontraproduktiv war, denn:
Je mehr Farbe aufgetragen wird, desto stärker blutet sie aus.

Darum sollte man auch vorsichtig sein, wenn man mehrere Farben übereinander auftragen möchte (was nicht unbedingt zu empfehlen ist). Am besten lässt man die vorher aufgemalten Streifen zuvor ein bisschen trocknen, nimmt nur wenig Farbe und berührt den Kreisel immer nur ganz kurz mit dem Pinsel.
Je länger der Pinsel die Oberfläche berührt, desto mehr Farbe wird natürlich aufgetragen, und desto mehr verläuft am Ende.

Mein fertiger Koma mit nicht besonders ordentlichen Streifen. Dennoch ein schönes Andenken.