Design Week Kyoto 2019

Design Week Kyoto 2019

Samstag, der 23. März 2019 0 Von Lena Fritzsche

Kyoto pflegt eine lange Tradition der japanischen Handwerkskünste und des verarbeitenden Gewerbes. Für Außenstehende ist es normalerweise schwierig hinter die Kulissen der Werkstätten, Fabriken und Studios zu schauen, aber einmal im Jahr werden im Zuge der DESIGN WEEK KYOTO die Türen geöffnet. Besucher haben die Möglichkeit mit den Meistern und Geschäftsführern persönlich zu reden, Fragen zu stellen, Techniken und Materialen kennenzulernen und an Workshops teilzunehmen. Dieses Jahr war ich zum ersten Mal auch dabei. Ich hatte mir einen randvollen Plan für fünf Tage zusammengestellt und jede Menge Eindrücke und Inspiration während dieser Zeit gesammelt. Ein paar Orte, die ich besucht habe, möchte ich euch in diesem Artikel vorstellen. Weitere werden die nächsten Wochen folgen.

MASUYA TAKAO CO., LTD

Design week kyoto ironenkin weaving kimono obi traditional

In diesem Traditionsunternehmen wird ein ganz besonderes Garn verwoben. Entwickelt wurde dieses, als das TOKUGAWA MUSEUM die Firma darum bat ein antikes Tuch zu restaurieren. Dabei stellten sie fest, dass die Technik für die Herstellung der verwendeten Seide bereits in Vergessenheit geraten war. Nach intensiver Forschung und zahlreichen Veruschen wurde die alte Technik wiederbelebt.
Das Garn besteht aus zwei Komponenten: ein Seidenfaden und ein schmaler Goldstreifen, der darum gewickelt wird. Der Seidenfaden ist handgesponnen, da es für dieses Gewebe darauf ankommt, dass der Faden eine ungleichmäßige Dicke besitzt. Wenn dann der Goldstreifen darum gewickelt wird, sitzt er an den dünneren Stellen dichter als an den dicken, wie ihr in der Grafik erkennen könnt:

Design week kyoto ironenkin weaving kimono obi traditional

Goldstreifen um handgesponnen Seidenfaden gewickelt

Design week kyoto ironenkin weaving kimono obi traditional

Dass man die farbigen Fasern noch hindurchschimmern sieht, macht den besonderen Charme dieses Garns aus. Bei maschinell gesponnenen Fäden, die eine gleichmäßige Dicke besitzen, sieht das Ganze nämlich so aus:

Design week kyoto ironenkin weaving kimono obi traditional

Goldstreifen um maschinengesponnen Seidenfaden gewickelt

Design week kyoto ironenkin weaving kimono obi traditional

Das ist natürlich auch schön und wird beispielsweise für Kimonostickereien verwendet. Aber diese Interpretation finde ich noch interessanter. Die Technik selbst ist eigentlich ziemlich alt, wird aber heute kaum noch praktiziert, wegen des Aufwandes und Preises. Das erkennt man schon daran, wie der Goldstreifen hergestellt wird: Die Grundlage liefert Washi – japanisches Papier. Darauf streicht man Urushi (Japanlack) als Kleber für Blattgold oder andere Metalle. Wenn die Schicht aus Washi, Urushi und Blattmetall getrocknet ist, wird das Papier in schmale Streifen geschnitten. Washi ist nicht wasserfest, weshalb diese Gewebe nicht waschbar sind.

der ganze Prozess vom Faden bis zum fertigen Produkt

Hauptsächlich stellt MASUYA TAKAO traditionelle Produkte wie Obi (Kimonogürtel) her. Vor ein paar Jahren wurde zusätzlich die Marke IRONENKIN gegründet, die sich einer größeren und moderneren Produktpalette widmet. Obis werden über Webprogramme maschinengewebt, früher mit Lochkarten, später mit Disketten, heute mit USB-Sticks. Für IRONENKIN wird ein besonderer Stoff (genannt Kagayaki no Nuno) aber sogar handgewebt, wofür man extra einen speziellen Holzwebstuhl angefertigt hat, mit dem man breitere Stoffbahnen weben kann als mit alten traditionellen Webstühlen. IRONENKIN bietet wirklich einzigartige hochwertige Produkte, die wunderbar alte japanische Traditionen zum Leben erwecken.

 

 

 

 

KODO CO., LTD.

Das Familienunternehmen KODO wurde 1945 gegründet und und verfügt über drei Generationen umfassende Erfahrung in der Verarbeitung von Washi-Papier. Dabei geht es hauptsächlich um das Schneiden, Binden und Kleben von Papier. Seine Hauptprodukte sind in der japanischen Kultur fest verankert:

  • Kalligrafiepapier
  • Shikishi (quadratische Karten für Tuschezeichnungen und Kalligrafie)
  • Goshuin-cho: ein traditionelles Notizbuch zum Sammeln von Stempeln von Tempeln und Schreinen

 

 

Als ich das Unternehmen besucht habe, durfte ich beobachten, wie Goshuin-cho zusammengeklebt werden:

 

 

KODO vertreibt seine Produkte international und arbeitet mit verschiedenen Unternehmen zusammen. 2013 gründete die Firma ihr eigenes Designlabel kami-mon, in der neu Wege für den Einsatz von Washi-Papier ergründet werden. Schaut gerne mal, was es für geniale Möglichkeiten gibt, Washi in unser Interieur einzubinden.