Der Farblichtdruck – Fusion von Fotografie und Druckgrafik

Der Farblichtdruck – Fusion von Fotografie und Druckgrafik

Dienstag, der 2. April 2019 0 Von Lena Fritzsche


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Während der Design Week Kyoto nahm ich an einem Workshop bei Benrido teil. Benrido Collotype Atelier ist eine von weltweit vier Druckwerkstätten, die die Collotypie, oder auch Lichtdruckverfahren, bewahrt und mit moderner Technologie perfektioniert hat. Die Collotypie wurde vor ungefähr 150 Jahren in Frankreich erfunden und vor allem für den Druck von Fotografien und Illustrationen angewandt. Heute bedienen sich nur noch wenige dieses Verfahrens, da es sehr aufwändig und teuer ist und eine Menge an handwerklichem Geschick und Erfahrung bedarf. Mithilfe des Lichtdrucks kann man Halbtöne (Mischfarben) ohne Raster drucken (im Gegensatz zum Offsetdruck z.B., bei dem man die einzelnen Farbpunkte innerhalb einer Farbfläche erkennt), was eine hohe Qualität erzeugt. Da man außerdem auch auf den unterschiedlichsten Materialien, wie beispielsweise Leinen, Reispapier oder Pergament drucken kann, wird diese Technik heute hauptsächlich als Kunstform und in der Faksimilierung (Nachbildung von Kunstwerken) eingesetzt.

Wie entstehen Lichtdrucke?

Farbzerlegung

Seit die Collotypie 1856 erfunden wurde, hat sich die Technik stetig proportional zur Fotografie weiterentwickelt. Hat man anfangs nur Schwarz-Weiß-Abbildungen drucken können, werden heute bis zu 20 Platten für bestimmte Farbtöne übereinander gedruckt. Dafür müssen die Farben erst einmal zerlegt werden, wofür Benrido das Original mit vier Filtern (Rot, Grün, Blau und Gelb) abfotografiert. Facharbeiter vergleichen dann die Farbzerlegung mit einem Musterbuch für Farbzusammensetzung. Seit ein paar Jahren können hierfür digitale Hilfsmittel eingesetzt werden, was das Ergebnis noch präziser und den Ablauf noch effizienter gestaltet.

Für das Druckverfahren benötigt man von jeder Farbe, die gedruckt werden soll, ein einfarbiges (schwarzes) Negativ. Die Techniker überprüfen jedes einzelne Negativ und passen es gegebenenfalls an, falls sie Ungereimtheiten im Vergleich zum Original feststellen. Hierfür werden fehlerhafte Stellen mit Maskierfilm abgedeckt.

 

Herstellung der Druckplatten

Benrido collotype kyoto lichtdruck

Die Basis bildet eine 10mm dicke Glasplatte, die mit einer lichtempfindliche Emulsion aus Chromatgelatine beschichtet wird. Diese wird in den Belichtungstisch eingespannt und das Negativ darauf gelegt, um beides zusammen mit UV-Licht zu belichten. Durch die dunkleren Stellen des Negativs dringen weniger bis gar keine UV-Strahlen hindurch. Da, wo das Licht auf die Beschichtung trifft, wird die Gelatine „gegerbt“, d.h. die in der Gelatine enthaltenen Chromatsalze lassen die Gelatine erhärten. Es entsteht ein Relief, das stärker ausgeprägt ist, je mehr Licht eindringt.
Anschließend taucht man die Platte in kühles Wasser, um die Chromate auszuwaschen, was eine weitere Belichtung verhindert.

 

benrido grafiken collotype

Belichtung der beschichteten Platte mit Negativ

 

Um die Platte für den Druck vorzubereiten, wird sie mit einer Lösung aus 50% Wasser und 50% Glycerin angefeuchtet. Je stärker das Gelatinerelief, desto weniger Wasser kann die Oberfläche absorbieren.

 

benrido grafiken collotype

Wasser-Glycerin-Lösung auf belichteter Platte

Drucken

Die Druckfarbe für Collotypie setzt sich zusammen aus 60% Pigmenten und 40% Öl. Wenn sie nun mit einer Walze auf die angefeuchtete Platte aufgetragen wird, stoßen die Bereiche, die die Flüssigkeit aufgesogen haben, die Farbe ab. Sie bleibt an der Walze haften. Je weniger Flüssigkeit aufgenommen wurde, desto mehr Farbe bleibt an der Oberfläche der Platte haften. Die Stellen, die am wenigsten UV-Licht abbekommen hatten, also nicht gegerbt worden sind, und so am meisten Flüssigkeit aufnahmen, werden im fertigen Druck die hellsten Stellen sein, während die dunkelsten Bereiche vorher am meisten belichtet worden waren und damit am wenigsten Flüssigkeit aufgenommen haben. Dementsprechend entsteht ein Bild mit vielen Farbabstufungen.

 

Druckfarbe wird auf Platte gewalzt

 

 

Während des Druckens wird jedes Blatt Papier einzeln händisch in die Druckmaschine gegeben.
Wenn alle Blätter einer Farbe komplett fertig gedruckt worden sind, wird die Platte mit der der nächsten Farbe ausgetauscht. Eine Platte kann für 1000-2000 Drucke verwendet werden.
Die einzelnen Farben werden in Schichten übereinander gedruckt und so wieder zusammengefügt. Alle Farben bestehen aus speziellen Mischungen aus unterschiedlichen Pigmenten. Um Farbschichten gut aufeinander drucken zu können, muss man die Zusammensetzung vorher genau analysieren.

benrido grafiken collotype

Papier nimmt die Farbe auf


Workshop

Benrido bietet verschiedene Workshops an. Im Zuge der Design Week Kyoto habe ich an einem kleinen Workshop teilgenommen, in dem ich zwei Postkarten mit Collotypie drucken durfte.

 

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